Mogelpackung „Optimierter Nullfall“

Der sogenannte „Optimierte Nullfall“ wurde im Bahngutachten als Standard geschaffen, um einen einheitlichen Vergleichswert für alle Planfälle zu haben. Dieser geht von folgenden Voraussetzungen aus:

  1. Die Strecke Flensburg-Niebüll wird reaktiviert.
  2. Dänemark beteiligt sich an der Umstrukturierung in Flensburg.
  3. Es wird ausreichend Parkraum für Pendler am bisherigen Bahnhof geschaffen.
  4. Die Busanbindung des bisherigen Bahnhofs an den ZOB wird verbessert.

Betrachtet man diese Voraussetzungen näher, sind die prognostizierten Fahrgastzahlen für den „Optimierten Nullfall“ höchst zweifelhaft.

Zu 1.: Die Chancen für eine Reaktivierung der Strecke Flensburg-Niebüll stehen erfreulicherweise gut, eine Entscheidung auf Landesebene ist aber noch nicht gefallen.

Zu 2.: Unser nördlicher Nachbar hat mehrfach eindeutig erklärt, dass Dänemark sich nicht beteiligen wird, wenn die Fernzüge weiterhin die zeitintensive Schleife nach Flensburg zum bisherigen Bahnhof durchfahren müssen. Somit wird es mit der bisherigen Bahnstruktur keine zusätzlichen 6 schnellen Fernbahnverbindungen pro Tag zwischen Dänemark und Hamburg geben! Daher ist nicht zu zu erwarten, dass im Fernzugverkehr eine so starke Fahrgastzahlsteigerung von derzeit 700 auf 1.500 pro Tag stattfinden wird.

Zu 3.: Im Bahngutachten wird vorgeschlagen, dass der derzeit fehlende Parkraum durch zwei Parkhäuser zur Verfügung gestellt werden soll. Dies ist theoretisch natürlich möglich, jedoch wird man damit der Sache nicht gerecht. Parkhäuser kosten Geld und der Parkraum, der benötigt wird, muss bezahlt werden. Es ist unvorstellbar, dass sich die Pendler einen täglichen Parkplatz für 9 oder 10 Stunden in einem Parkhaus werden leisten können und wollen. Kostenpflichtige Pendlerparkplätze drücken die Attraktivität des ÖPNV-Systems und damit dessen Fahrgastzahlen.

Zu 4.: Eine bessere Busanbindung des bisherigen Bahnhofs sorgt dafür, dass noch mehr Buslinien als bisher über den Bahnhof umgeleitet werden. Dies verlängert die Fahrzeit auch für die Nutzer der Stadtbusse und sorgt auch bei den Bahnreisenden für eine unnötige Verlängerung des Arbeitstages. Welcher Fahrgast mag, schon von der Arbeit kommend, noch gerne eine Sightseeingtour durch die Stadt?

Ergebnis:

Mindestens drei der vier Voraussetzungen, die dem „Optimierten Nullfall“ zugrunde liegen, sind kritisch zu sehen. Die Fahrgastzahlen, die für diesen Planfall prognostiziert werden, sind also deutlich zu optimistisch. Es wird sich für Flensburg kaum eine Verbesserung für den Bahnverkehr einstellen. Aber genau für diese Option hat sich die Flensburger Ratsversammlung am 08.12.2016 entschieden. 

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