Gegenargumente

Natürlich gibt es gegen ein so umfassendes und ehrgeiziges Konzept wie „Zug zum ZOB“ auch Gegenargumente. Auf diese wird im folgenden eingegangen.

Hohe Kosten

Ein immer wieder vorgebrachtes Argument gegen die Neuausrichtung der Flensburger Bahnhofsstruktur sind die Kosten, die mit einem Konzept wie „Zug zum ZOB“ verbunden sind.  Das ist eine sehr kurzsichtige Betrachtungsweise! Natürlich kostet so ein Konzept durch Investitionen in Haltestellen, Verbindungsgleise und weitere Infrastruktur sehr viel Geld. Dies muss jedoch durch mehrere Argumente relativiert werden.

  1. Die Investitionskosten betreffen einen sehr langen Zeitraum. Wir sprechen hier nicht über Jahre, sondern mehrere Jahrzehnte. Die Kosten  und damit Zins und Tilgung werden also auf sehr viele Jahre verteilt.
  2. Maßgeblich für Investitionsentscheidungen sind nicht die Kosten, sondern die Wirtschaftlichkeit. Den Kosten stehen erhebliche Mehrerträge durch die starke Zunahme der Fahrgastzahlen gegenüber. Eine seriöse, auf Jahrzehnte ausgerichtete Investitionsrechnung könnte hier einen Anhaltspunkt für die Wirtschaftlichkeit des Konzepts liefern.
  3. Die Berechnung der Wirtschaftlichkeit könnte auch die Frage beantworten, ob es wirtschaftlicher ist, in die bestehende Infrastruktur (Gleisanlagen und Bahnhöfe), die nur wenige Fahrgäste nutzen, nichts zu investieren als in ein Konzept zu investieren, das die Fahrgastzahlen so stark steigen lässt.
  4. Flensburg muss nur in einem geringen Ausmaß für die Kosten aufkommen. Hier sind vor allem das Land Schleswig-Holstein und die Deutsche Bahn AG gefragt. Auch Dänemark wird sich beteiligen. Insofern können die Flensburger ihre Meinung zu diesem Konzept frei von der Frage bilden, in welcher Höhe die Stadt für die Kosten aufkommt.
  5. In der Tabelle 27 auf Seite 93 des Bahngutachtens werden die Kosten für eine Umstrukturierung der Bahninfrastruktur zu Flensburg-Weiche und ZOB ausschließlich der Strecke nach Niebüll mit 28-71 Millionen € angegeben. In die Bahninfrastruktur im Süden Schleswig-Holsteins werden dagegen 1,1 Milliarden € vom Land investiert. Für die Umsetzung von „Zug zum ZOB“ sind Kosten von weniger als einem Zehntel dieser Summe (ohne Reaktivierung der Strecke nach Niebüll) erforderlich. Insofern sind unsere Wünsche zur Umsetzung von „Zug zum ZOB“ doch sehr bescheiden, so dass eigentlich eine Elektrifizierung der Strecke Kiel – Flensburg bis zur Marschenbahn nach Lindholm auch noch drin sein sollte, um den Bahnverkehr schneller und umweltfreundlicher zu gestalten.

Radweg auf dem Bahndamm

Einige politische Kräfte unterstützen die von Studierenden der Flensburger Europa-Universität konzipierte Idee, den Bahndamm für einen Radweg von Weiche bis zum Hafen umzuwandeln. Dieses Vorhaben wird mit etwa 8 Millionen Euro beziffert. Ein Radweg auf dem Bahndamm ist aus mehreren Gründen keine gute Idee:

  • Die Investitionskosten von 8 Millionen Euro, die der Kämmerer bereits im Haushalt veranschlagt hat, sind mehr, als „Zug zum ZOB“ für die Stadt Flensburg kosten würde! Für dieses Geld können in Flensburg viel mehr herkömmliche Radwege gebaut werden. Dafür gibt es an deren Stellen viel mehr Bedarf, denn:
  • Es gibt bereits jetzt vier oder fünf Möglichkeiten, mit dem Rad von der Innenstadt nach Weiche zu gelangen. Größtenteils auf Radwegen oder auf ruhigen Straßen wie der Nikolaiallee. Ein starker Bedarf an einer weiteren Verbindung besteht nicht.
  • Bei einem Radweg auf dem Bahndamm sind die Radfahrer/innen dem typischen Flensburger Schmuddelwetter noch viel mehr ausgesetzt als ohnehin schon! Außer in wenigen Wochen des Jahres ist die Nutzung für Radler somit unattraktiv. Die Bahn hingegen kann den Bahndamm ganzjährig nutzen, der somit viel mehr Menschen zu Gute kommt als er es als Fahrradweg könnte.

Auch der ADFC stuft einen Radweg auf dem Bahndamm lediglich auf Platz 25 auf einer Prioritätenliste mit 29 Positionen ein. Ein Nebeneinander von Bahn und Rad ist am ZOB durch die bereits vorhanden Radwege möglich – was den Umweltschutz in der Klimastadt Flensburg richtig voran bringt.

Belastung der Anwohner/-innen

a) In der Innenstadt

Ein derart reger Bahnverkehr, der mit diesem Konzept zum ZOB entsteht, könnte den Unmut der Anwohner/innen im sogenannten „Johannisviertel“ auf sich ziehen, deren Lebensqualität durch Lärm und Schadstoffe der Züge eingeschränkt werden könnte. Dieses trifft jedoch vor allen dann ein, wenn es sich dabei um mit Diesel betriebene Züge handelt. Diese sind allerdings ein Auslaufmodell und werden in den nächsten Jahren durch elektrisch betriebene und zunehmend auch durch mit Wasserstoff betriebene Züge ersetzt, die leise und emissionsfrei ihren Dienst verrichten und somit nicht die Anwohner/innen und deren Lebensqualität beeinträchtigen. Die Lärmbelästigung der Anwohner muss natürlich durch ein entsprechendes Gutachten geklärt werden. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass durch den Umstieg von Autofahrern auf die Bahn der Straßenlärm sinken wird. Unter dem Strich erwarten wir positive Effekte für die Bewohner des „Johannisviertels“: Die Haltestelle vor der Haustür erhöht die Mobilität für diese Menschen erheblich. Das Konzept kann also auch die Innovationen für das Verkehrsmittel Eisenbahn zum Wohle der Bevölkerung nutzen.

b) In Weiche

Ein Teil der Bevölkerung des Stadtteils Weiche befürchtet, dass ein Fern-, Grenz- und Umsteigebahnhof in Weiche den Straßenverkehr in diesem Stadtteil, insbesondere auf dem Ochsenweg, noch mehr ansteigen lässt. Dies ist eine durchaus berechtigte Sorge, der aber durch den geplanten Park&Ride-Parkplatz begegnet werden kann. Denn dieser:

  • ist ausreichend groß, so dass kein „Parkplatzsuchverkehr“ um den Bahnhof herum entsteht.
  • hat neben der Zufahrt vom Ochsenweg eine zweite Zufahrt vom Alten Husumer Weg. Über diese Zufahrt kommen auch mit dem PKW anreisende Bahnfahrer aus Richtung Südwesten, also über den Kreisverkehr Altholzkrug/Flensburger Straße zum Bahnhof, ohne Verkehr im Stadtteil zu verursachen.
Park & Ride Weiche Pendlerparkplatz

eigene Darstellung auf der Basis von: www.openstreeetmap.de

Die Aufwertung des Bahnhofs Weiche bedeutet für die Bewohner/innen jedoch einen großen Gewinn an Mobilität und damit an Lebensqualität, da z.B. Hamburg, Kiel oder Niebüll/Sylt bequem per Bahn aus dem eigenen Stadtteil zu erreichen sind. Auch die Fahrtzeit in die Flensburger Innenstadt verkürzt sich per Bahn deutlich.

Gefahr für die Arbeitsplätze der Busfahrer

Zum Konzept „Zug zum ZOB“ gehört auch die Reaktivierung der Bahnstrecke von Niebüll nach Flensburg. Deren Gegner befürchten dadurch, dass Arbeitsplätze bei den Busunternehmen verloren gegen könnten. Diese Sorge ist unbegründet, da bei einer Reaktivierung dieser Strecke an weit weniger Orten gehalten wird als früher und die Bus- und die Bahnstrecke nicht identisch sind. Es werden also nach wie vor die Busse benötigt. Bus und Bahn sind keine Konkurrenten, sondern profitieren bei unserem Konzept voneinander.

Überforderung der Bürger/innen

Vereinzelt ist auch zu hören, dass eine Änderung der Flensburger Bahnstruktur die Bürger/innen überfordern könnte, da es nicht mehr nur den einen Bahnhof gebe, von dem alle Züge abfahren. Dazu ist erstens zu sagen, dass die überwiegende Mehrzahl der Züge dem Regionalverkehr zuzuordnen ist, der vollständig zum ZOB fährt. Nur die wenigen Fernzüge halten ausschließlich in Flensburg-Weiche. Zweitens sollte man den Bürger/innen der Region durchaus zutrauen, einen Fahrplan zu lesen, um die richtige Haltestelle zu finden. Drittens klappt das in anderen Städten mit mehreren Bahnhöfen auch, denken Sie beispielsweise an Hamburg.

Ergebnis: Die Argumente gegen das Konzept „Zug zum ZOB“ konnten hier zu einem großen Teil eingeschränkt oder sogar widerlegt werden.